DIE GESCHICHTE VOM GUT KÜHLENHOF

 


Der Kühlenhof war das markanteste und bedeutendste Gut im Hardter Raum
und beeindruckt noch heute durch seine Größe und freie Lage in der Hardter Flur.
Die Anfänge des Hofes liegen im Dunkeln, doch ist es nicht abwegig,
die Entstehung in fränkischer oder gar römischer Zeit zu vermuten.
Unterstützt wird diese Vermutung durch die
Art der Parzellierung im Raum Kühlenhof-Rasseln.


Hier findet man zum Teil recht große Blockparzellen,
die ihrer Art nach bis in römische Zeit zurückreichen können.
Seinen Namen erhielt der Kühlenhof von einem Peter Kuylen,
der im 15. Jahrhundert gemeinsam mit seiner Ehefrau Grete den Hof pachtete.
Es ist aber auch möglich, dass der Name schon früher gebräuchlich war,
da im 12. Jahrhundert der Hof als "ad fossam" gelegen bezeichnet wird
(fossa = Graben, Kuhle, Kaule), und daher der Name Kühlenhof abgeleitet ist.
Ebenso ist es möglich, dass mit dem Wort "fossa" ein erster Hinweis,
schon für das 12. Jahr-hundert, auf die nicht weit
vom Hof entfernt verlaufende Hardter Landwehr gegeben ist.


Ins Licht der Geschichte tritt der Hof erst im 12. Jahrhundert als Lehen
des Herzogs von Limburg. 1172 erwarb die Abtei von Gladbach den Kühlenhof,
in der Urkunde Rakhesleide genannt, wobei der Kauf sich recht abenteuerlich gestaltete:
Alardus von Tuschenbroich und dessen Onkel Geldolph von Breidenrode mit seinen Söhnen
und einem Gerard mit Beinamen Odakkar verkauften das Gut für 27 Mark an die Abtei.
Doch die Söhne des Breidenrode, Arnold und Geldoph,
waren mit dem Verkauf unzufrieden, erbittert auch darüber,
dass ihr Vater ihnen bisher ihren Anteil vorenthalten hatte.
Als der damalige Kellner des Gladbacher Klosters, Rudengerus,
die ganze Summe nicht sofort bezahlte, sahen sie ihre Chance zum Eingreifen.
Kurz entschlossen befehdeten sie das Kloster, indem sie gewaltsam
in das jetzt abteiliche Rakhesleide eindrangen,
in die Ställe stürmten und einige Pferde entführten.
Notgedrungen mussten sich die Mönche, um Frieden zu haben,
mit den Söhnen durch eine zusätzliche Geldleistung einigen.
Für die Abtei Gladbach hatte der Hof große Bedeutung ,
denn der Besitz dieses Gutes bildete für das Abteigebiet das natürliche Hinterland
und konnte in der Tat einen bedeutenden Beitrag
zu den Kosten für Kloster und Münsterkirche leisten.
Allerdings waren die Mönche nicht in der Lage,
ihr neuerworbenes Gut selbst zu bewirt-schaften.
Die Entfernung von sieben Kilometern von der Abtei
war bei den damaligen Wegeverhältnissen einfach zu weit.
So setzten sie in Rakhesleide einen abteilichen Beamten als Verwalter ein,
einen villicus, welcher nicht nur die Aufsicht über den Hof ausübte,
sondern auch die abteilichen Rechte in den
in der Nachbarschaft liegenden Gütern sicherstellte.
Der Abt als Grundherr vergab in der Folgezeit in der Nähe
des Haupthofes gelegene Ländereien an Abhängige.
Diese bauten dort kleine Nebenhöfe

.
Dafür entrichteten sie Abgaben und leisteten Frondienste
auf dem Haupthof indem sie pflügten, säten und Transportfuhren übernahmen.
Für den Kühlenhof rechnet man mit 30 - 40 abhängigen kleineren Höfen.
Der erste Pachtbrief, den wir vom Kühlenhof kennen, stammt vom 1. Oktober 1481.
Hierin wird vereinbart, dass die Eheleute Peter und Grete Kuylen
den Hof für sich und ihre Nachkommen auf 40 Jahre pachten.
Im einzelnen wird bestimmt: Der neue Pächter muss jährlich 67 oberländische Gulden zahlen,
in drei Raten, 33 am Remigiustage (1. Oktober), je 17 zu Mariä Lichtmess (2. Februar)
und am St. Vitustage (15.Juni) außerdem jährlich zwei gute Ferkel, einen Hammel, ein Lamm,
ein fettes Kalb, zwei Butterwecken und vier gute Handkäs.
Der Pächter hatte Gebäude und Felder gut zu pflegen. Um das Ackerland zu verbessern,
muss er jedes Jahr fünfzig Fuhren Mergel von der Maas holen.
Den Mergel bezahlte der Abt, und der Pächter erhielt für seine Fuhren Futter für die Pferde.
Auf Kosten des Pächters gingen Reparaturen an den Gebäuden,
doch stellte der Abt das hierzu notwendige Holz. Neubauten bezahlte der Abt.
Der Pächter hatte zudem die Aufgabe, zweimal im Jahr mit Pferd und Wagen
nach Venlo oder Roermond zu fahren,
um dort für die Abtei Salz und andere Nahrungsmittel zu holen,
wofür er Zehrgeld und Futter für die Pferde bekam.


Dem Gesinde hatte der Pächter jährlich eine Mark Trinkgeld zu geben.
Bei Missernten, Hagelschlag oder Kriegsunruhen sollte ein Schiedsspruch
von Vertrauensmännern den etwaigen Nachlass an der Pacht bestimmen.
Im Dreißigjährigen Krieg musste der Kühlenhof, wie auch seine Nachbarhöfe,
schwere Zeiten überstehen. In den ersten Kriegsjahren schien es noch so,
als ob der Hardter Raum glimpflich davonkäme, lediglich bei Einquartierungen mussten
gute Verpflegungen und Geschenke gegeben werden, so dass 1635
der Gladbacher Abt Peter Syben bei seinem Dienstantritt
keinen einzigen Heller in der Abteikasse fand.
Im selben Jahr kam die Pest, die zwei Jahre lang wütete
und in manchen Orten ein Drittel der Bewohner wegraffte.
Nur allmählich erholte sich Hardt von diesem Schicksalsschlag.
Aber dann kamen am 8. Februar 1642 die gefürchteten
Hessen und mit ihnen unglaubliche Grausamkeiten.
Die wilden Horden waren in Gladbach einquartiert,
und als die Soldaten dort nicht mehr genügend Vorräte vorfanden,
streiften sie durch die umliegenden Dörfer und plünderten sie aus.
Die Höfe wurden schonungslos heimgesucht. Alle Vorräte zehrten die Soldaten auf.
Das Korn auf den Feldern wurde zerstört
oder es konnte nicht eingefahren werden, das Vieh wurde abgeschlachtet.
Während des ganzen Sommers wüteten die Hessen.
Immer wieder gab es Plünderungen und Erpressungen.
Bauern, die ihre Habe nicht hergeben wollten,
wurden misshandelt oder getötet, Mädchen
und Frauen geschändet. Es wird sogar berichtet,
dass man Männer in Schornsteine gezogen und verbrannt hat.
Die Gegend war zum Tummelplatz wilder Kämpfe geworden.
Schließlich stand auch der Kühlenhof in Flammen und brannte ab,
im weiten Land war der Himmel vom Feuer gerötet.


Es dauerte lange bis es dem Abt Peter Syben gelang, den Hof wieder aufzubauen.
Aus dieser Zeit stammt auch die Erzählung, es gebe einen geheimnisvollen
unterirdischen Gang vom Kühlenhof bis zur Abtei Gladbach.
Zwar ist schon wegen der großen Entfernung der Bau eines solchen Stollens
kaum möglich gewesen, dennoch steckt etwas Wahres in dieser Überlieferung.
Noch heute gibt es Reste eines unterirdischen Ganges am Kühlenhof.
In kriegerischen Zeiten flüchteten die Hofbewohner
in diesen Gang, um sich dort in größter Not zu verstecken
. Dort waren auch Vorräte zum Überleben gelagert,
und es gab gewiss einen versteckten Ausgang in der Nähe,
vielleicht in einem dichten Gebüsch.


Nach dem Dreißigjährigen Krieg war der Wohlstand auf den Höfen vernichtet,
die Bauern verarmt und nur noch ein Bruchteil der Bevölkerung vorhanden.
Aber damit waren die Prüfungen für Land und Leute auch in der Folgezeit nicht zu Ende.
Immer wieder kam es zu Unruhen, zu kriegerischen
Auseinandersetzungen mit Einquartierungen, Zerstörungen, Not und neuem Elend.
1794 brachte die Französische Revolution neue Kriege ins Land
und schließlich beseitigte Napoleon gewaltsam die alten Strukturen und Ordnungen.
Die Abtei und ihre Besitzungen ließ er für den französischen Staat einziehen und versteigern.
Eine neue Zeit begann.
Den Kühlenhof ersteigerte am 9.Februar 1807
Anton Joseph van der Straeten, damals 31 Jahre alt.
Van der Straeten zahlte für das insgesamt 134 Morgen große Gut (64a Wiese,
34,95 ha Feld, 6,35 ha Wald) 23.100 Frs.
Der damalige Pächter des Hofes war Johann Peter Kloesges.
In dem Kaufvertrag werden zudem das Wohnhaus und die Wirtschaftsgebäude,
wie auch der Garten und Obstgarten vermerkt. Bemerkenswert ist zudem,
dass der zugehörige Wald zum größten Teil als Gestrüpp (bois broussailles) bezeichnet wird.
Die Familie van der Straeten war über Generationen
hinweg in hohen Verwaltungsämtern tätig.
Johann Wilhelm van der Straeten, in dem wir den Vater des Anton Joseph sehen,
war bis 1794 Schultheiß der Abtei Gladbach.
Anton Joseph van der Straeten war ein äußerst tüchtiger,
besonders auch geschäftstüchtiger Mann,
Er war in der Politik tätig und verstand es,
unter wechselnden Herrschaften seine Chancen zu nutzen.
In der Säkularisation erwarb er im Laufe der Jahre einen riesigen Grundbesitz
und große Güter, in deren Mittelpunkt der Kühlenhof in Hardt war.
Geboren wurde er in Dülken am 19.11.1775.


Schon 1796, in den Anfängen der Franzosenzeit,
er war gerade 20 Jahre alt, wurde er Bürgermeister von Dülken.
1800 rückte er auf als Mitglied des Conseil d`Arrondissement Krefeld,
dann des Departementsrates Aachen, 1804 des Präfekturrates.
Schon unmittelbar zu Beginn der Säkularisierung der
Abteigüter beeindruckte er durch sein schnelles Zupacken,
seinen Geschäftssinn, seine ausgezeichneten
Beziehungen und enorme finanzielle Ressourcen.
Den Wechsel zu Preußen schaffte er nahtlos.
Als 1815 König Friedrich Wilhelm III die Rheinländer als Preußen begrüßen konnte
und Graf von Gneisenau und der Generalgouverneur Sack am 15.4.1815
in Aachen die Huldigung der neuen Landesteile entgegennahmen,
gehörte van der Straeten zu den beiden eigens zu diesem Zweck
gewählten Deputierten des ehemaligen Kantons Neersen.
1814 wurde er Landesdeputierter, von 1826 bis 1837 war er Abgeordneter
des Rheinischen Provinzial-Landtages, 1833 kommissarischer
Landrat und von 1834 bis 1850 Landrat des Kreises Gladbach.
Anton Joseph van der Straeten, Ritter des Roten-Adler-Ordens
und der Ehrenlegion, starb am 10.11.1863.


Sein Erbe als Gutsherr auf dem Kühlenhof wurde
sein 1817 geborener Sohn Joseph van der Straeten.
Joseph van der Straeten, wurde 1845 zum
kommissarischen Bürgermeister von Hardt
ernannt und war von 1847 bis 1872, also 25 Jahre lang, dort Bürgermeister
Er war ein gebildeter Mann und ein harter Gegenpol
des strengen Hardter Pfarrers Schlippes, mit dem er manchen Kampf gefochten hat
Joseph van der Straeten war ein guter Bürgermeister. Zum Vorteil von Hardt
nutzte er seine Beziehungen als Mitglied des Kreistages
und als Deputierter beim Provinziallandtag.
In seiner Dienstzeit wurden Straßen ausgebaut, nachdem es bisher in Hardt
nur unbefestigte schmale Wege gegeben hatte.
Es entstand der Neubau der heutigen Pfarrkirche,
zu dem er aus seinen persönlichen Mitteln einen erheblichen Betrag beisteuerte.
Die Schule wurde erweitert. Brachliegendes Land
und Heideflächen wurden in Ackerland umgewandelt,
so dass über 100 Morgen hinzugewonnen wurden. Allein an Kirchenland
steigerte sich so der Pachtertrag von 70 Rtlr. auf 196 Rtlr.
Joseph van der Straeten starb am 30.8.1887. Der Hardter Chronist Fetten
notiert hierzu in sein Tagebuch: "1887, 30.8. nachmittags 6 Uhr ist Herr Joseph
van der Straeten hier auf dem Kühlenhof gestorben.


Er war früher hier in Hardt Bürgermeister
und überhaupt ein hier in Hardt angesehener Mann.
Am 2.9.87 morgens 10 Uhr ist er großmächtig hier
in Hardt in der Mitte auf dem Friedhof beerdigt worden."
Mit dem Tode des unverheirateten Joseph van der Straeten endete
in Hardt die Ära dieser hochangesehenen und einflussreichen Familie.
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts
wechselte der Kühlenhof mehrfach den Besitzer
und kam dann bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Spelberg
Von den Erben der Familie Spelberg kaufte die Familie Illing den Hof.
Die Landwirtschaft wurde nun vollständig aufgegeben.
Die bisher landwirtschaftlich genutzten
Flächen übernahmen Bauern aus der Umgebung.
Familie Illing renovierte sorgfältig Teile des Gebäudekomplexes,
darauf bedacht, wenn möglich, Altes liebevoll zu erhalten.
Die Bauten werden nun als Wohnungen, als Künstlerwerkstatt
und der größte Teil als Möbelgeschäft genutzt.


von Dieter Rodenbücher

 

Bei Interesse bitte kontaktieren Sie :
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Gebrüder Illing GbR

info@illing.com

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